Von Riesen und Meerjungfrauen, Santa Claus und einer gefährlichen Bootsfahrt

Fee! Fie! Foe! Fum! Ich rieche Menschenfleisch. Ob lebendig oder tot, Ich mahle seine Knochen und back mir ein Brot. (Jack und die Bohnenranke, englisches Volksmärchen)

Ein bisschen gruselte es schon, die riesige Leiter hinaufzuklettern immer der Bohnenranke nach – war das Ziel doch in dichten Wolken verborgen. Würde ich, wie Jack, auf einen Riesen stoßen da oben, würde der die arme Tosha fressen wollen?

Aber natürlich konnte ich mich vor meinem Begleiter Siberia nicht bloßstellen und tappte mutig, Stück für Stück, die Bohnenranke hoch.

Zum Glück gab es dann doch keinen Riesen dort oben! Statt dessen entdeckte ich, nachdem ich nach all der Kletterei wieder halbwegs zu Atem gekommen war, eine sehr lauschiges, grünes Plätzchen mit schimmernden Blumen. Sogar ein Pilzhäuschen gab es hier oben – welcher Wind hatte die Sporen wohl hier hoch geweht?

Von hier oben hatte ich einen wunderschönen Blick über die liebevoll gestaltete Landschaft – überall grünte und blühte es, wundersame Nebelschwaden drehten sich über dem Wasser und ein Leuchtturm half den Seefahrern ans sichere Ufer zu kommen. Ganz in der Nähe machte ich eine prächtige Villa aus. Also nichts wie runter und mal schauen, wer da wohl wohnen mag… (Siberia war übrigens wohlweislich unten geblieben – er wollte wohl nicht Zeuge davon werden, wie ich geröstet und auf Toast zum Frühstück verzehrt werde. Männer eben…)

Aber immerhin hatte er unten auf mich (oder meine Überreste) gewartet. Außer uns schien tatsächlich niemand auf der Insel zu sein. Also wagten wir ein Tänzchen und freuten uns an der schönen Umgebung und über meine Rettung. Denn natürlich habe ich sofort brühwarm erzählt, wie es mir gelungen war, den Koloss dort oben zu überlisten und davon zu kommen. Wie ein Wiesel die Leiter wieder runter, nachdem ich den wirklich schrecklichen Hünen erst einmal ordentlich gefoppt hatte.

Maria Augger, eine wirklich sehr phantasievolle und reizende Griechin und ihr Partner Derek Barom aus Groß Britannien haben ihre Regionen unterteilt in die vier Jahreszeiten. Und da wir ja selbst im realen Leben mitten im Winter stecken, sind wir erst einmal in die Winterregion gezappt. Köstlich! Santa und Mrs. Claus tanzen auf dem Eis! Sehr fetzig.

Die Winterregion ist sieht so echt und so frostig aus, dass ich an meinem Schreibtisch gleich kalte Füße bekam und mir erst mal Decken und einen heißen Tee holen musste.

Ein Glühwein wäre mir direkt lieber gewesen, aber ich hatte mal wieder nicht ordentlich eingekauft…

Siberia lud mich dann – sehr galant – zu einer kleinen Schlittenfahrt durch den Winterwald ein. Danach war mir dann aber so kalt, dass ich unbedingt eine Sommerregion aufsuchen musste.

Ah, ein Strand vor einer eindrucksvollen Felskulisse. Hier konnten wir angeln und ich war so begeistert und habe mich – ehrlich gesagt – so blöd angestellt, dass ich leider völlig vergessen habe, zu fotografieren. Naja, eigentlich wollte ich mich, wie ein Rollmops eingewickelt in eine Angelleine, nicht unbedingt verewigen.

Dann kam Siberia auf die wunderbare Idee, ein Boot zu klauen und mich über das Wasser zu entführen. Was wirklich romantisch hätte werden können, endete aber in einem Geschwindigkeitsrausch meines sizilianischen Begleiters und es kam, wie es kommen musste – wir rasten mit einem Affenzahn auf die Felsen zu und ich sah uns schon an der Wand kleben, unter uns das zerschmetterte Boot.

Glücklicherweise gelang es Siberia im letzten Moment, das Boot mit einem schauerlichen Knirschen auf Grund laufen zu lassen. Schon dachte ich, wir seien gerettet – da wurden wir auch schon wirbelnd und nach Luft schnappend in die Tiefe gezogen. Nun war klar: Mein letztes Stündchen hatte geschlagen! Den Riesen überlebt, sogar den Tanz mit Siberia und die Eiseskälte im Winterwald – nur um hier elendig zu ertrinken. Das Leben ist einfach nicht fair! Und nun auch noch zu Ende…

Aber – als ich die Augen wieder aufmachte, fand ich mich zwar unter Wasser aber keineswegs tot wieder, sondern zu Gast bei einer Meerjungfrau! Gerettet!

Wir durchsuchten das Unterwasserdomizil unserer Retterin, aber sie war leider nirgendwo zu finden. Wahrscheinlich war sie vor dem ohrenbetäubenden Lärm des Motorbootes geflohen und sah uns mit erschrockenen Augen zu, wie wir durch ihre Wohnung schnüffelten.

ευχαριστώ, Maria, thanks Derek für dieses wundersame Abenteuer in eurer gastfreundlichen Region. Wir kommen sicher wieder.

Nachtrag: Maria hat mir inzwischen erzählt, dass sie ihr Land umgestalten. Ich bin gespannt, mit welchen Köstlichkeiten sie uns demnächst überraschen werden. Sie sagte auch, dass die beiden sich natürlich sehr über Besuch freuen!

Also: auf zu den Regionen Fourseasons und TINOS und viel Spaß dabei wünscht Tosha Tyran